Eritrea (2017)

Statistische Informationen

Hauptstadt Asmara
Bevölkerung 5,8 Mio.; geschätzte weitere 800.000 im Exil
Religionen 50 % Christen (überwiegend orthodox); 50 % sunnitische Muslime

Allgemein

Eritrea ist ein relativ kleiner Staat am Horn von Afrika. Nach 30 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen erlangte das Land 1993 seine Unabhängigkeit von Äthiopien und wird seither als sogenannte Übergangsregierung von Präsident Isaias Afewerki autoritär regiert. Das Regime der einzigen Partei „Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit“ (PFDJ) versucht, alle Lebensbereiche der Bevölkerung zu kontrollieren. Meinungs- und Pressefreiheit existieren nicht. Religionsfreiheit gibt es nur in engen Grenzen für Angehörige der eritreischorthodoxen Kirche, Katholiken, Lutheraner und sunnitische Muslime. Alle anderen Religionsgemeinschaften gelten als illegal. Tausende Eritreer haben wegen der tristen Menschenrechts- und Wirtschaftslage das Land verlassen. Sie leben als Flüchtlinge in Äthiopien, im Sudan oder haben die gefährliche Überfahrt in überfüllten Booten über das Mittelmeer nach Europa gewagt.

Christen in Eritrea

Die bei weitem mitgliederstärkste legale Konfession ist die eritreisch-orthodoxe Kirche, deren Patriarch Abune Antonios seit Mai 2007 unter Hausarrest steht. Daneben haben nur noch die römisch-katholische Kirche und die Lutheraner einen legalen Status. Dem Staat nicht genehme Leiter werden von der Regierung abgesetzt. Aufgrund des von der Regierung ausgeübten Drucks sinkt die Zahl der ausländischen Christen und Arbeitsmigranten ständig.

Unterdrückung und Verfolgung

Die eritreische Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass im Land ausschließlich die vier offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften arbeiten dürfen. Alle anderen, insbesondere die protestantischen Freikirchen, sind illegal. Christen aus evangelikalen und Pfingstgemeinden werden als „Agenten des Westens“ gesehen. Christliche Gefangene werden unter unmenschlichen Bedingungen in Gefängnissen oder auch in Frachtcontainern festgehalten. Viele sind in Haft gestorben, allein im Jahr 2016 mindestens drei Personen: zwei Männer verhungerten und verdursteten im Februar im Maitre-Gefängnis und eine 28-jährige Frau starb an einer unbehandelten Infektion. Die Gefangenen müssen oft Zwangsarbeit in der Landwirtschaft leisten. Haile Naigzhi, Kiflu Gebremeskel und Kidane Weldu, Leiter von Gemeinden der Full-Gospel-Church, sowie mindestens zwei Priester der eritreisch-orthodoxen Kirche, die sich in deren Erneuerungsbewegung engagierten, befinden sich bereits seit 2004 bzw. 2005 in Haft oder sind verschollen. In besonderem Maß von Verfolgung betroffen sind Konvertiten, die die eritreisch- orthodoxe Kirche verlassen und sich protestantischen Freikirchen anschließen sowie christliche Konvertiten aus dem Islam. Abgesehen von der Verfolgung durch den Staat erfährt die erste Gruppe Verfolgung durch die orthodoxe Kirche, die zweite durch ihre Familien und die muslimische Gesellschaft. Die Regierung rekrutiert Spitzel, um alle christlichen Aktivitäten zu überwachen. Dabei ergeben sich auch seltsame Allianzen. So spionieren Muslime beispielsweise die Aktivitäten freikirchlicher Christen in ihrer Region im Auftrag der Regierung aus. Eine weitere Quelle der Verfolgung ist das Fehlen eines zivilen Wehrersatzdienstes für Personen, die aus Gewissensgründen keinen Dienst mit der Waffe leisten wollen. Jeder eritreische Staatsbürger zwischen 18 und 50 Jahren ist verpflichtet, Wehrdienst zu leisten. Bei alldem ist vielen in Europa lebenden Eritreern nicht bewusst, dass es in ihrem Land religiöse Verfolgung gibt. Insbesondere Orthodoxe und Muslime bekommen oft von den unter Geheimhaltung durchgeführten Verfolgungsmaßnahmen nichts mit.

Beten wir

  • „„für die um ihres Glaubens willen gefangenen Christen; einige sind bereits mehr als zehn Jahre in Haft; für Trost und ihre Freilassung, und dass sie trotz der entsetzlichen Haftbedingungen ein Licht für ihre Wärter und Mitgefangenen sein können.
  • „„für Präsident Isaias Afewerki und seine Regierung, dass sie erkennen, dass Christen keine Feinde sind, und dass sich Christus ihnen offenbart. Beten wir für Religionsfreiheit in Eritrea.
  • „„für die Flüchtlinge aus Eritrea, dass sie nicht auf den gefährlichen Wegen durch Afrika und über das Mittelmeer ihr Leben verlieren.

Mag. Josef Jäger, Bad Ischl, Österreich