Türkei (Republik Türkei)

Statistische Informationen

Fläche 779.452 km² (etwas mehr als 2 mal so groß wie D)
Einwohner 70,6 Millionen
Hauptstadt Ankara 3,65 Mio.; größte Stadt: Istanbul 12 Mio.; Verstädterung 65%.
Völker Türken 76–80%.; Kurden 14–20%. (Hauptsprachgruppen: Kurmandschi 5–9 Mio.; Dimli/Zaza 1,15 Mio.); Araber 1,8%; muslimische Minderheiten 1,8%; nichtmuslimische Minderheiten 0,2%#
Einkommen pro Kopf 4.700 € (12,7 % von D)
Religionen Muslime 99,64% (davon Aleviten 15%); Juden 23.000; Christen 0,3% (65.000 Armenisch-Orthodoxe; 15.000 Orientalische und römische Katholiken; 15.000 Syrisch-Orthodoxe Christen; 4.000 Griechisch-Orthodoxe; 3.300 Zeugen Jehovas; 3.000 Protestanten = Evangelikale)

Hintergrundinformationen

© Photographer: Çiğdem Metin | Agency: Dreamstime.com

Das türkisch-osmanische Weltreich war jahrhundertelang der Wächter der heiligen Stätten des Islam und der Hauptförderer des Islam. Seit den umwälzenden Reformen der 1920er Jahre ist die Türkei ein säkularer Staat mit einer einem Ministerium unterstehenden Staatsreligion. In den letzten Jahren ist der Islam wieder ein wichtiger Faktor in Politik und Alltag geworden, vor allem seit der ehemalige Islamist Erdogan 1997 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit ist trotz aller Verbesserungen des letzten Jahrzehnts gegenüber religiösen Minderheiten wie Aleviten, Juden oder Christen selten gewährleistet.

Das Religionsdirektorat kontrolliert den gesamten organisierten Islam, alle anderen islamischen Gruppen dürfen sich nicht frei versammeln. Die islamische Sondergruppe der Aleviten etwa wird grausam unterdrückt und in den letzten Jahrzehnten wurden immer wieder mehrere von ihnen zugleich ermordet.

Türken armenischer, griechischer und jüdischer Abstammung werden bezeichnenderweise von der Fremdenabteilung des Außenministeriums kontrolliert, denn ein echter Türke ist Muslim, gleich ob islamistisch, gemäßigt oder säkular.

Im Oktober 2004 veröffentlichte das Beratergremien für Menschenrechte der türkischen Regierung einen Bericht, dass nichtmuslimische Minderheiten – vor allem Christen – systematisch von Karrieren in Behörden, staatlichen Institutionen, Armee, Polizei und Schulen/Hochschulen gehindert würden, worauf hin die in Gremien federführenden, vom Staat selbst eingesetzten Professoren – erfolglos – vor Gericht gestellt wurden.

Christen in der Türkei

Auf dem Boden der heutigen Türkei landete Noah mit der Arche auf dem Berg Ararat, spielten weitere Ereignisse des Alten Testamentes, gründete Paulus viele Gemeinden, befanden sich die Gemeinden der sieben Sendschreiben, fanden die wichtigsten Konzile der Frühen Kirche statt (z. B. Konzile von Nicäa, Konstantinopel, Ephesus). Bis zum Fall Konstantinopels 1453 war Byzanz auf dem Gebiet der heutigen Türkei das zweite große christliche Zentrum neben dem Abendland.

Gemessen an vielen anderen islamischen Ländern geht es den Christen in der Türkei im Großen und Ganzen recht gut und besser als noch vor Jahren. Gemessen an den Ländern der Europäischen Union kann jedoch von echter Religionsfreiheit in der Türkei nicht die Rede sein.

Die Gesamtzahl der alten christlichen Minderheiten nimmt durch Auswanderung seit Jahrzehnten drastisch ab. Grund dafür sind die Ausgrenzungen,
Schikanen und die Lebensgefahr. So gibt es immer noch 45 ungeklärte Morde an syrisch-orthodoxen Christen 1984–2000. 1998 wurde das zentrale syrisch-orthodoxe Kloster in Tur Abdin zum wiederholten Male bei Androhung scharfer Strafen aufgefordert, keine Gäste zu beherbergen und jeden Unterricht in syrischer Sprache zu unterlassen.

Die Morde an einem deutschen und zwei einheimischen evangelikalen Christen im April 2007 war der bisherige Höhepunkt der zunehmenden Hetze gegen Christen in den türkischen Medien. In den letzten eineinhalb Jahren wurden 97 türkische Bürger wegen Verunglimpfung des Türkentums vor Gericht gestellt, darunter zuletzt die beiden Konvertiten Hakan Tastan (37) und Turan Topal (46), weil sie angeblich durch einen Bibelkorrespondenzkurs das Türkentum verunglimpft und Hass gegen den Islam geschürt hätten.

Der Wunsch der Türkei, als EU-Kandidat zu gelten, sorgt dafür, dass die Zentralregierung auf Kritik ausländischer Regierungen und Men­schenrechts­organisationen immer öfter reagiert und die örtlichen Behörden zum Einlenken zwingt, auch wenn sie sich mit den Kemalisten, ihren großen politischen Gegenspielern in Armee und Gesellschaft, darin einig sind, dass das Christentum untürkisch ist und die nationale Identität bedroht.

Weitere Informationen

Gebet

Unser Herr Jesus, Du hast seit fast 2000 Jahren Deine Gemeinde in der Türkei und kennst alle Deine Kinder dort mit Namen. Wir danken Dir, dass in der Türkei in vielen Bereichen neuerdings die Möglichkeit besteht, dass sich Ge­meinden öffentlich bekennen und versammeln und dass der Wunsch, Mitglied der EU zu werden, schon jetzt positive Auswirkungen hat. Du weißt aber ebenso, dass Christen immer noch in der Türkei unerwünscht sind, weil sie als untürkisch gelten, vielen Schikanen ausgesetzt sind und deswegen viele Christen in ständiger Angst leben.

Unser Herr Jesus Christus, verhindere Du einen Vormarsch der Islamisten in der Türkei und sorge dafür, dass die Religionsfreiheit zunimmt und nicht abnimmt. Gib Du den Richtern in der Türkei, die sich so oft gegen die Regierung auf die Seite der Christen gestellt haben, großen Mut, die Gerechtigkeit höher als ihr eigenes Fortkommen zu stellen.