Zu Hause und doch weit weg (Samstag, 16.01.)

Samstag, 16. Januar 2016

Lukas 15,25-30
„Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.“ 


Ergänzende Bibeltexte:
Joh. 14,2; Luk. 14,15ff

Heute richten wir den Blick einmal auf uns selbst: Die Gemeinde der Kinder Gottes, die „allezeit beim Vater ist“ (V. 31), und doch gleichzeitig innerlich so weit weg von seinem Herzen sein kann. Wir haben diese Woche gestaunt über die Liebe des Vaters, gelitten mit dem Sohn, der hungert. Wir haben gebetet für die, die verloren sind und gejubelt über die Wende und den Neuanfang. Heute nehmen wir uns Zeit, auf unser eigenes Leben zu schauen und zu fragen: Wie nah oder wie fern sind wir selbst eigentlich dem Vater? Und wie nah oder fern stehen wir seinen heimkehrenden Kindern?

Christen werden in unserer Gesellschaft heute oft als Miesepeter wahrgenommen, als Spielverderber, die ständig mit dem Zeigefinger auf andere zeigen. Die Zeigefinger von rechts richten sich auf den Verlust von Werten und eine desolate Familienpolitik, die Zeigefinger von links auf Banken, Firmen und Armeen. Die Haltung aber ist oft die gleiche. Ganz so, als stünden wir abseits vom Spielfeld und wären nur Zuschauer und Schiedsrichter.

Jesus hat die Geschichte aber eigentlich nicht für die anderen, sondern für uns erzählt. Wir Christen sollen wach werden und umkehren, da wo wir hartherzig und unbarmherzig sind. Wo uns nicht mehr die brennende Liebe zum verlorenen Bruder, sondern das Pochen auf das eigene Recht antreibt. Wo wir ausgrenzen statt willkommen zu heißen. Wo wir verlernt haben, fröhlich zu sein und mit dem Vater zu feiern, und stattdessen nur noch mit Arbeit beschäftigt sind. Und damit, keine Fehler zu machen. Wo wir innerlich mehr von Zorn erfüllt sind als von Dankbarkeit.

Heute sollten wir uns Zeit nehmen für eine nüchterne und ehrliche Selbstschau: Wo sind wir als Christen nicht die Kinder, die das Herz ihres Vaters teilen? Und nicht die Brüder, die wir für die heimatlosen und zurückkehrenden Kinder sein sollten? Und wir sollten dabei darauf sehen, was der Vater tut: Er bittet uns, hereinzukommen. Auch wir sind eingeladen, nach Hause zurückzukehren. Anders als die verlorenen Kinder. Aber genauso dringend. Und mit den gleichen offenen Armen. Jesus erzählt uns nicht, ob der ältere Bruder diesen Schritt auch wirklich getan hat. Aber wir könnten heute der Geschichte ein anderes Ende geben.

Dr. Guido Baltes, Marburg

Gestaltungsvorschlag:

In zwei Ecken des Raumes stehen Figuren, die den Vater und den heimkehrenden Sohn darstellen. Es könnten auch Bilder sein oder Poster mit den Worten des Vaters (V. 22) und des Sohnes (V. 21). Geben Sie den Teilnehmern einige Minuten Zeit, aufzustehen und sich in einem selbst gewählten Abstand zu den Figuren aufzustellen: Wie nah oder wie fern fühle ich mich zurzeit dem Vater? Wie nah oder wie fern fühle ich mich seinem verlorenen Sohn? Spielen Sie dazu ruhige Musik im Hintergrund. Geben Sie den Teilnehmern Zeit, sich im Raum zu bewegen, ihren eigenen Ort zu finden, und vielleicht an diesem Ort ein stilles Gebet zu sprechen. Ermutigen Sie auch dazu, eine passende Körperhaltung einzunehmen, z.B. zugewandt oder abgewandt, Arme verschränkt oder ausgestreckt usw.

Gebet:

Vater, wir beten für uns, deine Gemeinde: Wende unser Herz zu dir und zu unseren verlorenen Geschwistern, da, wo wir uns nur um uns selbst drehen. Mache uns barmherzig, wo wir unbarmherzig sind. Mache uns fröhlich, wo wir verbittert sind. Danke, dass wir bei dir Freiheit und Freude finden, und dass du uns in dein Haus bittest, genauso wie unseren einst verlorenen Bruder.

Gebetsimpuls:

Dank: 

  • für das Privileg, „allezeit beim Vater“ sein zu dürfen  
  • für das Geschenk, zur Familie zu gehören 

Beugung:

  • für zu wenig Barmherzigkeit
  • für zu viel Selbstbezogenheit

Bitte:

  • um ein Herz, das dem des Vaters gleicht 
  • um Liebe zum Bruder, der schwierig ist

Lob: 

  • für das große Herz des Vaters
  • für das Fest, das er uns bereitet

Anbetung:

  • dass wir das Singen und Tanzen nicht nur von ferne hören, sondern gerne dabei mitmachen

Thematische Fürbitte: 

Nutzen Sie die folgenden Stichworte, um Ihre Fürbitte ausführlich vor Gott zu bringen:

  • Geistliche Erneuerungsbewegungen / Initiativen für Gastfreundschaft, Evangelisation, Offene-Tür-Einrichtungen 
  • Christliche Öffentlichkeits- und Pressearbeit
  • Dienste, die Musik und Tanz in die Kirche bringen

Liedvorschläge:

  • Mir ist Erbarmung widerfahren (P. F. Hiller) 
  • Komm, heile uns (Albert Frey)

Ein Impuls zum Gebetsabend:

SPRING, das GemeindeFerienFestival für alle ist: „mitein.anders“

Im abgelaufenen Jahr 2015 verzeichnete das Gemeinde-Event der Deutschen Evangelischen Allianz im Winterkurort Willingen einen Rekord: Mit (Früh-)Angemeldeten, „Last-Minute-Buchern“ und Tagesgästen aus ganz Deutschland und verschiedensten Gemeinde-Hintergründen bevölkerten rund 3.600 Teilnehmer in der Woche nach Ostern den Kurort. Die meisten Besucher waren zwischen 40 und 60 Jahren alt, der jüngste gerade acht Wochen, der älteste 96 Jahre alt. Über 900 Kinder und Jugendliche waren angemeldet. Sie zeigten: SPRING ist und bleibt ein Festival für alle Generationen, für das sich auch Alleinreisende und Singles zunehmend begeistern. Im Jahr 2016 ist das Festival (vom 28. März bis 2. April) zum siebten Mal zu Gast in Willingen. Unter dem Leitmotiv „mitein.anders“ wartet erneut ein Festival für alle Sinne, für Geist, Körper und Seele: Auftanken, Horizonte erweitern, Menschen begegnen, Neues erfahren (Info: www.meinspring.de).