Wenn Beziehungen zerbrechen (Montag, 11.01.)

Montag, 11. Januar 2016

Lukas 15,12
„Der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.“

Ergänzende Bibeltexte:
1. Mose 3,8ff; 1. Mose 27,41ff

Das Erbe verteilen, so lange es dem Senior noch gut geht – das ist doch vernünftig, mögen wir sagen. Ja, wenn es freiwillig geschieht! Wenn es aber von den Erben gefordert wird, sträubt sich auch unser Gefühl. Das ist unverschämt. 

Im Orient ist es sogar eine Unmöglichkeit! Geerbt wird erst nach dem Tod des Vaters. Das heißt also: Für den Sohn ist der Vater schon so gut wie tot! Respekt, gar Liebe für den Vater – alles gleichgültig. Ich will alles – und zwar jetzt! Ich will nicht warten, bis „der Alte abkratzt“. Es geht im Tiefsten nicht um das ihm zustehende Erbe, sondern um zerbrochenes Vertrauen, verlorene Liebe. Die Forderung des Sohnes ruft laut: Du bist mir egal, ich will meinen Anteil. Jetzt! Ich will sein wie du, aber ohne Verbindung zu dir, ohne Bindung an dich! 

Jesus will kein Familiendrama erzählen. Es geht ihm um das Verhältnis menschlicher Töchter und Söhne zum himmlischen Vater. Deshalb ist der Sündenfall in 1. Mose 1 ein Schlüssel zum Verstehen: Nachdem Adam und Eva sein wollten wie Gott, mussten sie sich vor ihm verstecken. Das „paradiesische“ Vertrauen ist seitdem zerbrochen. Die Beziehung ist nachhaltig gestört, und zwar für alle Nachkommen bis heute. 

Was mag in dem Vater vorgegangen sein? Jesus erzählt es nicht. Seine Gefühle erahnen wir erst später, bei der überraschenden Rückkehr des Sohnes. Kränkung und Zorn waren es wohl nicht so sehr. Sondern vielmehr tiefe Traurigkeit über die nicht erwiderte oder nicht verstandene Liebe, über die zerbrochene Vertrauensbeziehung zwischen Vater und Sohn. 

Können wir uns vorstellen, wie es dem göttlichen Vater heute geht, wenn ein menschlicher Sohn, eine Tochter sich so lossagt von ihm? Es ist ihm nicht gleichgültig, er sitzt nicht „cool“ auf seinem Thron, sondern es zerreißt ihm fast das Herz. Ähnlich hat Jesus reagiert, als er die verlorenen und verirrten Menschen sah (Matthäus 9,36). Manchmal wäre es gut, wenn wir „älteren“ Söhne und Töchter uns von dieser Liebe Gottes zu seinen verlorenen Kindern anstecken ließen. 

Axel Nehlsen, Geschäftsführer von Gemeinsam für Berlin, 
Leiter des Arbeitskreises Gebet der Deutschen Evangelischen Allianz

Gestaltungsvorschlag:

Versuchen Sie ein kleines Anspiel mit Vater (50), Mutter (48), Sohn (gerade 18) und Tochter (23). Die Eltern unterhalten sich darüber, wann der beste Zeitpunkt ist, ihr Eigenheim vorzeitig an die Kinder zu vererben. Da kommt der Sohn herein und verlangt fordernd und frech, dass der Vater ihm sofort seinen Anteil überschreibt. Die Tochter kommt dazu, ihr Entsetzen steigt, während sie der Auseinandersetzung zuhört. Dann greift sie ein und versucht, ihrem Bruder klar zu machen, wie unverschämt seine Forderung ist und dass die Eltern es doch gut meinen. Die Szene endet im Streit. Der Sohn verlässt wütend den Raum und kündigt an, sofort aus dem Elternhaus auszuziehen. Lassen Sie anschließend die Zuschauer die Szene kommentieren. Daran schließt sich eine kurze Ansprache zum Bibeltext an, bevor man zusammen betet. 

Gebet:

Du, Gott, unser Vater, bist so voller Liebe zu deinen menschlichen Söhnen und Töchtern, dass wir nur dankbar staunen können. Du hast uns wunderbar geschaffen, individuell begabt, unendlich geliebt. Du hörst nicht auf, um uns zu werben: um die sichtbar verlorenen Kinder genauso wie um die, die meinen, eigentlich nah dran zu sein. Du trauerst tief, wenn wir dich verlassen. Du freust dich unbändig, wenn wir zu dir zurückkehren. Du setzt alles dafür ein, sogar deinen Sohn. Was für ein unvergleichlicher Vater bist du! Wie sollten wir dir nicht vollkommen vertrauen und bedingungslos folgen!

Gebetsimpulse

Lob und Anbetung:

  • für Gottes nachgehende Liebe und umfassende Gnade


Beugung:

  • Wir tun Buße für die selbstverständliche Haltung, mit der wir die Liebe Gottes für uns annehmen und genießen, während wir die „verlorenen“ Söhne und Töchter innerlich längst abgeschrieben haben.

Bitte: 

  • für Menschen, die einmal gläubig waren und sich von Gott abgewandt haben 
  • für jene, die sichtbar ohne oder gegen Gott leben, dass die Liebe des Vaters auch sie erreicht – vielleicht sogar durch uns
  • für solche, die Gott nicht zu brauchen meinen, um unser mitfühlendes Verstehen und eine nicht bedrängende, einladende Art des Vorlebens

Thematische Fürbitte:

Nutzen Sie die folgenden Stichworte, um Ihre Fürbitte ausführlich vor Gott zu bringen:


  • Mission / Evangelisation / Bibelverbreitung / Bibelübersetzung

  • Berufung neuer Mitarbeiter/innen in den vollzeitlichen und ehrenamtlichen Dienst / Katastrophenhilfe / Gottes Botschaft in den Medien 


Ein Impuls zum Gebetsabend:

Im Gottesdienst Besucher Fragen: Wofür können wir beten?

Christliche Gemeinden sind kein Selbstzweck. Sie sollten den Mitgliedern helfen, „im Glauben bei Jesus und in der Liebe bei den Menschen zu sein“. Das sagte der Theologieprofessor Michael Herbst, Direktor des pommerschen Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung, beim jüngsten „Innovationstag“ der badischen Landeskirche in Konstanz. Herbst verglich Gemeinden mit einem Übungsfeld. Der Sinn des Trainings bestehe darin, sich als Christ außerhalb geschützter Mauern im Alltag zu bewähren. Der Theologe ist überzeugt: Menschen, die von Jesus geprägt sind, bekommen neue Ideen für die Gestaltung ihres Lebens und für ihr gesellschaftliches Engagement. Dadurch könne die Kirche zur Seele für eine Veränderung der Welt werden. Herbst berichtete von einer Gemeinde in England. In deren Gottesdiensten wird an jedem Sonntag ein Besucher interviewt.

Die Fragen lauteten:
Wo wirst du morgen um diese Zeit sein? Und was wirst du da machen? Wofür können wir beten?

Dieses höchstens zwei Minuten dauernde Gottesdienstelement hat mehrere Wirkungen: Die Gemeinde präsentiert normale Menschen in ihrem Alltag und zeigt zugleich, wie Handeln und Gottesdienst zusammengehören.