Was für ein Vater (Donnerstag, 14.01.)

Donnerstag, 14. Januar 2016

Lukas 15, 20 b+c
„Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn;
er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ 

Ergänzende Bibeltexte:
Joh.14,9; Eph.3,15

Wie würden wir reagieren, wenn uns unser Kind verletzen und öffentlich demütigen würde? Statt Dankbarkeit hören wir nur Vorwürfe: „Du bist engstirnig. Du gönnst mir nichts! Ich gehe. Du bist für mich gestorben. Ruf mich nie wieder an!“ Fiele es uns leicht zu vergeben? Wäre nicht wenigstens eine Entschuldigung angebracht, wenn er oder sie vor der Tür stände?

Dem Vater im Gleichnis wurde noch viel schwereres Unrecht zugefügt. Als orientalischer Patriarch und reicher Landbesitzer kann er von allen Untergebenen und Familienmitgliedern Respekt, Unterordnung und Gehorsam erwarten. Doch der Sohn hatte die väterliche Güte mit Verachtung und Undankbarkeit quittiert. Indem er dem Vater öffentlich den Rücken gekehrt hatte, beschädigte er auch dessen Ruf und Ansehen schwer. Mit der vorzeitigen Beanspruchung des Erbes hatte er den Vater zudem für tot erklärt. All das schreit nach Vergeltung und Strafe.

Doch dieser Vater ist anders. Jesus zeigt uns, wie übermenschlich die Liebe unseres himmlischen Vaters ist. Dieser besteht nicht auf seinem Recht. Er stellt keine Bedingungen. Keine Entschuldigung ist nötig, kein Wort vom verschleuderten Vermögen, keine Vorwürfe, kein „Ich hab’s ja kommen sehen“. So ist der Vater im Himmel. Seine Arme sind Tag und Nacht offen. Das zeigt das Gleichnis.

Wie im Gleichnis, hat der himmlische Vater heute auch Tag und Nacht Sehnsucht nach dem undankbaren Sohn, der verlorenen Tochter. „Er erkannte ihn von weitem“: Das heißt auch, dass er täglich nach ihm Ausschau hält, sich um ihn sorgt: „Wie wird es ihm gehen?“ Nie gibt er die Hoffnung auf, dass sein verlorenes Kind zurückkehrt. In seinem Herzen hat er ihn Tag und Nacht vor Augen. Deshalb erkennt er ihn schon von weitem, obwohl der Sohn sich sehr verändert hat. Der gleicht einem Landstreicher, gedemütigt, mit hängendem Kopf und schleppenden Schritten. Er ist gescheitert und heruntergekommen.

Das Vaterherz wird vom Mitleid übermannt. Er rennt ihm entgegen, er schließt ihn in seine Arme mit all seinem Schmutz. Statt Genugtuung und einem „Ich hab’ es kommen sehen“ lässt er es gar nicht zu der geplanten Entschuldigung kommen – so überwältigt ist er von der Freude. Und ohne Bewährungsfrist setzt er den Heimkehrer in alle Sohnes- und Erbenrechte wieder ein.

Jesus sagt damit: Wir müssen uns nicht erst bessern, beichten oder bewähren. Keine Bedingungen, die zuvor erfüllt sein müssten. Unser himmlischer Vater nimmt uns „brutto“ zurück – so wie wir sind. Heute, jetzt gleich dürfen wir kommen.

Gestaltungsvorschlag

In Anlehnung an Rembrandts Bild „Die Rückkehr des Verlorenen Sohns“ (siehe auch links unten) ein großes Blatt erstellen, auf dem die Personen der Geschichte (Vater, beide Söhne, Zuschauer, ich) mit einer Sprechblase versehen werden (Grafik). Dieser Zettel kann kopiert und verteilt oder an einer Pinnwand angebracht werden. Dann können die Sprechblasen persönlich oder gemeinsam ausgefüllt werden.

Gebetsimpuls

Danke, himmlischer Vater,

  • dass die Tür zu dir für alle offen steht und wir Tag und Nacht bei dir willkommen sind
  • dass wir zu dir kommen dürfen wie wir sind und uns nicht vorher verbessern oder Vorleistungen erbringen müssen
  • dass du uns auch nicht nach unserer frommen Leistung beurteilst, sondern uns liebst und in die Arme nimmst, einfach weil wir da sind
  • dass du uns „ohne Bewährung“ aufnimmst
  • dass du uns beschenkst und zu deinen respektierten Söhnen und Töchtern machst
  • dass unsere Rettung dein Geschenk und auch unsere Heiligung dein und nicht unser Werk ist

Buße und Beugung:

  • dass wir oft zu lange warten, bis wir mit unseren Nöten endlich zu dir kommen
  • dass wir oft versuchten, die Dinge erst selbst in Ordnung zu bringen
  • dass wir anderen den Weg zum Vater und seiner bedingungslosen Liebe zuweilen versperren
  • Bitte vergib uns, dass wir dir viel zu oft misstrauen und nicht glauben wollen, dass du uns ohne Vorleistung aufnimmst – so wie wir sind.
  • Wir bitten dich um Vergebung für unser verzerrtes Bild von dir.

Bitte: 

  • Wir bitten dich um ein kindliches Herz, das dir sofort glaubt und dir alles zutraut.  
  • Wir bitten dich um eine neue Offenbarung von dir als Vater voller Güte und Erbarmen.
  • Wir bitten dich: Stärke unseren Glauben an deine bedingungslose Liebe!

Thematische Fürbitte:

Nutzen Sie die folgenden Stichworte, um Ihre Fürbitte ausführlich vor Gott zu bringen:

  • Politiker und Entscheidungsträger in der Kommune, im Land, in Europa und weltweit
  • Ausbeutung und Unterdrückung / Menschenhandel / missbrauchte Menschen
  • Verfolgte Christen / Kriegsregionen