Mut zur Kreativität und Vielfalt

Zu den Urerfahrungen und Kernkompetenzen von Evangelischer Allianz gehört das gemeinsame Beten. Speziell, aber nicht nur in der Gebetswoche im Januar. Beten soll mit Freude und Erwartung geschehen. Dazu ist es gut und nötig, auf die Gestaltung der Gebetstreffen Phantasie und Sorgfalt zu verwenden. Genau das möchten wir als Arbeitskreis Gebet der Deutschen Evangelischen Allianz Ihnen, den Mitbetern, und allen, die Gebetsversammlungen vorbereiten, ans Herz legen.

Dem sollen die folgenden Anregungen zur Gestaltung von Gebetsversammlungen dienen.

Gut vorbereiten und andere einbeziehen

  • Wenn die Treffen rechtzeitig vorbereitet werden, kann man zielgerichtet, mit Freude und mehr Beteiligung beten.
  • Das rechtzeitige Suchen und Bereitstellen von Materialien ist neben der inhaltlichen und geistlichen Vorbereitung wichtig.
  • Besonders befruchtend ist es, andere in die Vorbereitung einzubeziehen. Nicht nur Jugendliche lassen sich auf diese Weise eher für die Teilnahme gewinnen. Es hat sich auch bewährt, die Eingeladenen bereits vorab zum Teil eines gemeinsamen Prozesses zu machen.
  • Bestellen Sie für jeden erwarteten Teilnehmer ein Exemplar des Gebetswochen-Heftes bzw. des „Monatlichen Allianzgebets“. Gebetshefte sind „Arbeitsmaterialien“. Da ist es gut, wenn jeder sein eigenes Heft bekommt!
  • Auf den Internetseiten der Allianz finden sich viele weitere Hinweise und aktuelle Gebetsanliegen (www.ead.de).
  • In größeren Ortsallianzen bietet sich zumindest für die Gebetswoche ein eigenes Blatt mit Terminen und Anliegen an.

Zielgruppen und Versammlungsorte

  • Gebetstreffen für spezielle Zielgruppen haben sich weithin bewährt, z. B. nachmittags für Senioren oder Kinder, vormittags für Eltern mit kleinen Kindern; Frauen- und Männergebetsfrühstücke; Jugendgebetsabende oder Gebetskonzerte, Gebetsfrühstücke mit Politikern.  
  • Alternative Versammlungsorte mit entsprechendem Bezug zu den Gebetsanliegen können sein: Krankenhaus, diakonische oder soziale Einrichtung, Schule, Rathaus, Gaststätte, Tram/Straßenbahn (in Bremen, Dresden und München ausprobiert!), Stadthalle u. a. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
  • Viele machen dabei die Erfahrung: Wenn wir an einem relevanten Ort beten, steht uns die Herausforderung zum Gebet viel konkreter vor Augen.

Wechselnde Formen

  • Seit Jahrzehnten geübt ist die Gliederung einer Gebetsversammlung nach Lob/Dank, Buße/Beugung und Bitte/Fürbitte. Diese biblischen Gebetsweisen haben weiterhin ihre Berechtigung; Klage und Anbetung können hinzukommen.
  • Vielerorts haben die unterschiedlichen Frömmigkeitsstile das gemeinsame Beten bereichert. – Das freie Gebet wird z. B. ergänzt durch vorbereitete oder spontan eingebrachte Psalmworte und Liedstrophen, gelegentlich durch vorformulierte Fürbitten.
  • Verbreitet ist inzwischen das „Bienenkorbgebet“: In Kleingruppen von bis zu sechs Personen kann gezielt und mit größerer Beteiligung des Einzelnen für konkrete Anliegen gebetet werden. So lassen sich auch Gebetsanliegen auf die Gruppen aufteilen, damit nicht alle für alles beten müssen.
  • Auch Gemeinschaft im stillen Gebet ist etwas Kostbares! Es lohnt sich, dafür Raum zu geben.
  • Besonders wichtig ist es, Formen zu suchen, die neu Hinzukommenden den Einstieg in das gemeinsame Gebet erleichtern! Die Dominanz der langjährig geübten Beter sollte vermieden werden. Dazu hilft eine einfühlsame, aber klare Leitung.
  • Auch die besten bewährten Formen führen mitunter zur Erstarrung. Deshalb empfehlen wir immer wieder neu nachzudenken, was diesmal „dran“ sein könnte.

Kreative Gestaltung

  • Bei der Gestaltung von Gebet darf man kreativ sein. Besonders Jugendliche setzen da und dort gerne auf neue Formen wie Gebetsnächte, Gebetsgänge oder 24/7-Gebete (also Gebetsketten rund um die Uhr). Aber dies ist sicherlich auch für andere Altersgruppen möglich, ebenso wie Bibelvers-Beten, Einsatz von Kerzen oder Bildern, Gebetswände zum Festhalten von Anliegen usw. Auch Ältere brauchen in einem anstrengenden und ablenkenden Alltag genauso Hilfen zur Konzentration und Konkretisierung ihres Gebets! Also lernen wir als verschiedene Generationen und Denominationen voneinander – ebenso von Christen aus anderen Nationen!
  • Für manches Thema können Fachleute aus dem politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Bereich kompetent aktuelle Informationen geben. Es gibt auch gute  Erfahrungen mit Politikern (aus Kommune, Land, Bund, Europa-Parlament), die sich gerne  zu einem Gebetsabend einladen lassen.

Sehen ist besser als hören

Das Wort Gottes drängt zur Veranschaulichung. Jesus redete in Bildern und Gleichnissen. Die Bibel ist voller erzählter Geschichten. Wer etwas anschaulich vor Augen hat, wird inspiriert, Gott sehr praktisch um sein Eingreifen zu bitten. Dazu könnte helfen:

  • Einen biblischen Text szenisch darstellen oder in verteilten Rollen lesen!
  • Fotos an die Wand werfen, die Gebetsanliegen veranschaulichen!
  • Ein kurzer Filmausschnitt kann gezeigt werden, der eine Gebetsherausforderung zu Herzen gehen lässt.
  • Für bestimmte Notlagen in der Welt kann man gezielter beten, wenn jemand aus den Medien aktuelle Ereignisse und Herausforderungen zusammenstellt.
  • Eine christliche Initiative stellt sich vor; Mitarbeiter aus einem speziellen Dienst berichten aus der Arbeit und nennen Gebetsanliegen.
  • Wenn immer möglich empfiehlt es sich, die Kernanliegen fürs Gebet in Stichworten sichtbar zu machen - durch Wandplakat, Overhead-Projektor, Beamer, Flipchart. Was der Mensch vor Augen hat, kann er leichter vor Gott bringen!

Mehr als eine Ansprache

Der biblische Impuls ist mancherorts eher eine Predigt oder Bibelarbeit. Gedacht ist die Ansprache aber nur als Ermutigung oder „Sprungbrett“ zum dynamischen Beten; als Einleitung und Motivation, dass die Beter kindlich, konkret und mutig vor ihren himmlischen Vater kommen. Daher werden die Mitbetenden dankbar sein, wenn der biblische Impuls auf 10 bis 15 Minuten begrenzt ist. Er soll zum Gebet hinführen, es aber nicht verdrängen.

Tun, was wir beten

Ein Treffen gewinnt an Tiefe und Ausstrahlungskraft, wenn Raum ist, Gesagtes auch umzusetzen. Für alle oder einige Teile des von einem Team verantworteten Gebetsabends wäre zu überlegen:

  • Wie können wir das Gehörte praktisch umsetzen? Gleich am Abend oder als Aktion danach? Was brauchen wir dazu? Wen können wir einbeziehen?
  • Wenn z. B. für Kranke gebetet wird: Kann ein Besuchsdienst im Krankenhaus organisiert werden?
  • Wo zu Buße und Erneuerung eingeladen wird, sollte auch Zeit und Gelegenheit bestehen, Dinge aufzuschreiben und in der Stille bei Jesus abzuladen.
  • Im Anschluss an die Versammlung kann eine Möglichkeit zum seelsorgerlichen Gespräch angeboten werden.
  • Die Einheit der Christen wird konkret, wenn nach dem Treffen noch Gelegenheit zum Austausch besteht. Etwas Tee und Gebäck machen nicht viel Arbeit, fördern aber die Gemeinschaft enorm.

Einige Beispiele für visuelle Gestaltungs-Elemente
(aus den Heften der letzten Jahre)

  • Eine trockene, abgeschnittene Weinrebe, ein elektrischer Toaster ohne Anschluss ans Netz, eine Taschenlampe ohne Batterie können als Anschauungsbeispiele dienen für die biblische Wahrheit „Nur in der Verbindung zur Energiequelle sind Früchte zu erwarten“.
  • Es können Kerzen oder Teelichter während oder nach der Gebetszeit entzündet werden – als Zeichen des Lebens, der Freude und der Wärme.
  • Das Ausbreiten von Welt-, Land- oder auch regionalen Karten kann helfen, für bestimmte Gebiete konkret zu beten. Auch ein Globus oder Bilder von Menschen – auch von Missionaren – regen zum Beten an.
  • Nach jedem Gebet ein Teelicht anzünden und zu einer Kreuzform auf dem Boden ergänzen.

Das Ziel ist aller Mühe wert: Die Allianz-Gebets-Woche und die Gebetstreffen während des Jahres sollen zu einem frischen, ermutigenden, belebenden und gemeinsamen Erlebnis vieler Brüder und Schwestern werden. Man soll mit Gewinn an das Erlebte zurückdenken und gerne wieder kommen. 

Axel Nehlsen, Berlin, Leiter des Arbeitskreises Gebet