30 Tage Gebet für das Jahr 2007

Die Kasachen in der Mongolei

28. September 2007

Majestätisch kreist der Adler mit kräftigem Flügelschlag hoch über der versammelten Menschenmenge. Auf das Zeichen des Falkners schießt er plötzlich herab, gleitet dicht über die Köpfe der Zuschauer hinweg und landet mit einem lauten Ruf und unter einem anerkennenden Raunen der Beobachter auf dem dick gepolsterten Handschuh seines Meisters. Das „Fest der goldenen Adler“ in Bajan Ölgii, der westlichsten Provinz der Mongolei, findet jedes Jahr Anfang Oktober statt. Die besten Falkner stellen hier das Können ihrer Vögel unter Beweis. Mit hoher Geschwindigkeit, viel Geschick und unglaublicher Wendigkeit führen die Adler atemberaubende Flugmanöver durch. Mit dieser Feier wird die Jagdsaison eingeleitet. Die Vögel werden darauf trainiert, Murmeltiere, Füchse und sogar Wölfe zu jagen. Das „Fest der goldenen Adler“ ist ein kasachisches Fest, ein Ausdruck kasachischer Kultur, bei dem die Einheimischen am liebsten unter sich bleiben. Über die Jahrhunderte hinweg konnten die mongolischen Kasachen in den Höhen des Altaigebirges viele ihrer Traditionen und Fertigkeiten besser bewahren als ihre mongolischen Brudervölker im angrenzenden Kasachstan. Die Adlerjagd ist eine davon.

Kasachische Nomaden durchstreifen mit ihren Viehherden seit dem 19. Jahrhundert die Bergwelt der westlichen Mongolei. Bis 1930 konnten sie sich frei zwischen Kasachstan, der Mongolei und der chinesischen Provinz Xinjiang bewegen. Nach der Gründung der mongolischen Volksrepublik im Jahre 1924 nahmen jedoch viele von ihnen einen semi-nomadischen Lebensstil an und siedelten sich vor allem im westmongolischen Hochland an. Heute, nachdem sich der mongolische Staat 1992 eine demokratische Verfassung gab, stellen die Kasachen in der Provinz Bajan Ölgii 88,7% der Bevölkerung (87.000 Menschen) und machen landesweit mit einer Zahl von rund 110.000 Menschen etwa 4% der mongolischen Gesamtbevölkerung aus.

Die kasachische Kultur unterscheidet sich in Vielem von der mongolischen Kultur. Traditionell sind die mongolischen Kasachen Anhänger des sunnitischen Islam, während sich der Rest der Bevölkerung mehrheitlich zum tibetischen Buddhismus bekennt. Im Leben der meisten Menschen spielt der Islam aber nur eine zweitrangige Rolle. Jahrzehnte atheistischer Erziehung unter einem kommunistischen Regime haben auch hier ihren Einfluss hinterlassen. Bis Ende der 90-er Jahre gab es so gut wie keine Moschee in Bajan-Ölgii. Erst in den vergangen Jahren entstanden in den Siedlungen und Dörfern vermehrt islamische Gotteshäuser – teilweise gesponsert durch islamische Organisationen oder Verbände aus dem Ausland. Ob damit auch der Islam im Leben der Menschen einen höheren Stellenwert gewinnen wird?

Seit den 1990er Jahren hat es eine intensive Hinwendung zu Jesus unter den ethnischen Mongolen gegeben. Während man zur Zeit der politischen Wende nur von einem halben Dutzend Christen wusste, stieg die Zahl bis heute auf rund 35-50.000 Christen. Die Kasachen in Bajan Ölgii blieben davon jedoch weitgehend unberührt.

Gebetsanliegen:

  • Die Durchbrechung geistlicher Ketten, so dass das Evangelium auch unter Kasachen Fuß fassen kann.
  • Gott kann bewirken, dass mongolische Christen ihre geistliche Verantwortung für die kasachische Minderheit im Land erkennen.