30 Tage Gebet für das Jahr 2003

Muslime in Bosnien-Herzegowina

06. November 2003

Bevölkerung: ca. 4 Mio. Menschen.
45% Bosnische Muslime; 30% Bosnisch-orthodoxe Serben; 15% Bosnische römisch-katholische Kroaten; 10% andere

Durch das 1995 erreichte Friedensabkommen von Dayton wurde Bosnien faktisch zweigeteilt. Es besteht nun aus der "Föderation Bosnien und Herzegowina", in der Muslime und Kroaten leben und der "Serbischen Republik", in die die Bosnier serbischer Abstammung umgesiedelt wurden. Die Hauptstadt Sarajevo ist der Sitz der Regierung. Sie wird von einer nationalistischen Parteienkoalition gebildet, deren Oberhaupt ein Präsidentschaftsrat ist. Zu diesem Rat gehören ein Muslim, ein Kroate und ein Serbe, die sich alle acht Monate in der Präsidentschaft ablösen. Die Wirtschaftskraft des Landes ist schwach, es fehlt an ausländischen Investoren. Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei 40%, inoffizielle Schätzungen gehen von 70% aus. Eine Arbeitsstelle ist allerdings zumeist gleichbedeutend mit einem schlecht bezahlten Job ohne Vertrag und soziale Absicherung, und der Lohn reicht nicht aus, um eine Familie zu ernähren.

Obwohl schon viel Wiederaufbauarbeit geleistet wurde, sind die Spuren des Krieges nach wie vor deutlich sichtbar. Noch immer sind ca. 18.000 Soldaten der Nato im Land stationiert, der Friede ist nur oberflächlich hergestellt. Viele Experten sind sich darin einig, dass beim Abzug der Friedenstruppen der Krieg erneut ausbrechen würde.

Nach dem Ende der Kämpfe kamen etliche christliche Mitarbeiter ins Land. Durch diese Arbeit entstanden in etwa 30 Städten Gemeinden oder gemeindeähnliche Versammlungen. Man schätzt, dass ungefähr 600 Menschen zu Nachfolgern Jesu geworden sind. Seit ein paar Jahren jedoch ist nur noch ein geringes geistliches und zahlenmäßiges Wachstum der Gläubigen zu verzeichnen. Diese Menschen stammen zumeist aus gemischten Ehen (bosnisch-kroatisch/muslimisch) und die Gottesdienstformen der neu entstandenen Gemeinden orientieren sich an westlichem Vorbild. Weniger als 10% dieser Gläubigen kommen aus einer rein muslimischen Familie. In vielen Fällen fühlen sich solche Nachfolger Jesu gezwungen, mit dem Glauben an Christus gleichzeitig auch die kroatische Kultur annehmen zu müssen, da die Gemeindeversammlungen der Gläubigen davon geprägt sind. Kaum einer der derzeit ca. 120 Mitarbeiter im Land arbeitet direkt unter den muslimischen Bosniern, obwohl sie den größten Bevölkerungsanteil bilden.

Die neu entstandenen Gemeinden haben die Freiheit, evangelistische Einsätze, Sommerlager und Jugendveranstaltungen durchzuführen. Dabei arbeiten viele Gemeinden auch vorbildlich zusammen, und die Botschaft der Liebe Gottes breitet sich aus. Leider werden die muslimischen Bosnier mit solchen Projekten wenig bis gar nicht erreicht. In Städten und Dörfern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ist es nach wie vor schwierig zu evangelisieren. Anfänge sind jedoch gemacht, bei denen ausländische Christen mit viel Einsatz, Kreativität und Ausdauer darum bemüht sind, ihren muslimischen Nachbarn in Wort und Tat die Liebe Gottes zu bezeugen. Einen Schwerpunkt bildet eine abenteuerorientierte Kinder- und Jugendarbeit, bei der Jugendliche unterschiedlicher Volksgruppen zusammen erreicht und für Jesus gewonnen werden. Der erfolgreiche Start dieses Projektes führte zur Gründung eines landesweiten Vereins, der diese Arbeit in vielen Gemeinden bekannt machen will.

Gebetsanliegen:

  • Gottes Wirken unter den Muslimen, damit das Evangelium sich ausbreiten kann. Gott kann ihre Herzen für die Botschaft des Evangeliums vorbereiten.
  • Mehr Mitarbeiter für Bosnien-Herzegowina, die gezielt unter Muslimen arbeiten.
  • Weisheit und Vollmacht für die ausländischen Christen, damit sie den Muslimen das Evangelium in einer für sie verständlichen Weise weitergeben können.