30 Tage Gebet für das Jahr 2003
Die Maguindanao auf den Philippinen
02. November 2003
Etwa 1 Mio. Menschen
Die Maguindanao sind mit 1 Mio. Menschen die größte Volksgruppe unter insgesamt 13 Völkern auf den Philippinen. Ihr Siedlungsgebiet sind die großen, im Süden gelegenen Inseln von Mindanao. Der Islam kam im 13. Jahrhundert durch muslimische Händlern aus dem Mittleren Osten auf die Philippinen, die auf ihren Handelswegen nach China zogen. Die Händler brachten Prediger mit, die den Islam unter den Volksgruppen der südlichen Philippinen verbreiteten.
Die Maguindanao gehörten zu den Volksgruppen, die zum Islam übertraten. Einige Araber, die den Islam auf den Philippinen predigten und Nachfahren Muhammads waren, ließen sich dort nieder und heirateten in das Volk der Maguindanao ein. Bis heute gibt es daher unter ihnen Familien, die ihren Stammbaum bis auf Muhammad zurückführen.
Vor dem Aufkommen des Islam waren die Maguindanao Animisten (Anhänger einer Naturreligion). Heute betrachten sie sich als Muslime, die eine reine Form des Islam praktizieren, dennoch sind ihre animistischen Wurzeln offensichtlich. Viele Maguindanao praktizieren allein den Islam, aber andere nehmen nach wie vor an den vielen vorislamischen Zeremonien teil, um mit der Geisterwelt in Kontakt zu treten. Nach der Geburt eines Kindes wird z. B. eine spezielle Zeremonie abgehalten, bei der dem Baby ein paar Haare abgeschnitten und in Wasser gelegt werden, um das Schicksal des Kindes zu erfahren. Besondere Nahrungsmittel werden für den "Zwillingsgeist" des Kindes zubereitet. Wenn jemand krank wird, wird ein Heiler gerufen, der zur Besänftigung der Geister ein Speiseopfer darbringt, zu dem auch ein Ei gehören muss. Solche Zeremonien können bis zu drei Tage dauern.
Die Maguindanao sind meist Fischer oder Bauern. Sie leben in den zentral gelegenen Ebenen der Insel Mindanao, die regelmäßig überflutet werden. Die Maguindanao räumen der Schulbildung ihrer Kinder hohen Stellenwert ein und bringen dafür große Opfer. In den Städten sind die Maguindanao wirtschaftlich sehr erfolgreich. Sie fallen dort unter der gemischten Bevölkerung stets durch ihre Kleidung und die Einhaltung ihrer Speisegebote auf.
Im politischen Bereich gibt es in den letzten Jahren vermehrt Spannungen. Seitdem die Spanier im 15. Jahrhundert auf den Philippinen landeten und das katholische Christentum mitbrachten, hat es immer wieder religiös und politisch motivierte Kämpfe gegeben. Die Maguindanao sind mit der katholisch-christlichen Regierung des Landes nie wirklich zurecht gekommen. Zwar hat die Regierung ihnen gegenüber manche Konzessionen gemacht und ihnen auch einen gewissen Grad an Autonomie zugestanden, aber bei den meisten Maguindanao ist der Wunsch nach einer islamischen Regierung groß. Derzeit findet ein erbitterter Kampf um die Autonomie der philippinischen Muslime statt. Junge Männer und Frauen werden in paramilitärischen Lagern ausgebildet und schließen sich den bewaffneten Kämpfern an.
Gott ist aber auch unter den Maguindanao am Wirken. Heute gibt es zwei größere Gruppen von Christen mit ungefähr 70 Mitgliedern und einige verstreut lebende Gläubige. Ausländische und einheimische Christen arbeiten eng zusammen, um den Menschen die Liebe Gottes nahe zu bringen. Die Bibelübersetzung macht Fortschritte, und es gibt Möglichkeiten, das Evangelium mit Hilfe der Medien zu verkünden, die kulturell gut akzeptiert werden. Auch im Zuge der verschiedenen Entwicklungshilfeprojekte kann die Frohe Botschaft von Jesus Christus weitergesagt werden.
Richard Schlitt/OMF International
Gebetsanliegen:
- Dass die Gläubigen im Verständnis ihres Glaubens wachsen
- Dass die Gläubigen freimütig, aber kulturell in verständlicher Weise von ihrem Glauben Zeugnis ablegen
- Die Sicherheit der Mitarbeiter in den umkämpften Gebieten


