09.02.2018

Syrien: Häuser geflohener Aramäer beschlagnahmt

Vorwurf: Kurdische Miliz zwangsrekrutiert Christen für Kämpfe in Afrin

Heidelberg/Göttingen (idea) – Die Kämpfe zwischen der türkischen Armee und der syrischen Kurdenmiliz YPG um die nordsyrische Stadt Afrin halten an. Die Türkei betrachtet die Miliz wegen ihrer ideologischen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation. Aus Sicht des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bedroht sie die nationale Sicherheit der Türkei, weil sie große Gebiete entlang der syrisch-türkischen Grenze kontrolliert. Vor diesem Hintergrund werde der Kurdenmiliz aber zu Unrecht ausschließlich die positive Rolle des Verteidigers zugesprochen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir (Heidelberg), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Die von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten und ebenso von Asayesch – dem Sicherheitsdienst des autonomen kurdischen Gebietes – begangenen Verbrechen blieben unerwähnt. Laut Demir zwangsrekutiert die YPG aramäische junge Männer, um sie in Afrin einzusetzen. Allein in den vergangenen zwei Wochen seien mindestens neun von ihnen in Qamischli auf offener Straße entführt worden. Drei von ihnen seien noch immer in ihrer Gewalt.

Aramäische Christen werden zwischen Konfliktparteien zerrieben

Demir beklagt darüber hinaus, dass einzelne leerstehende Häuser von geflohenen aramäischen Christen durch die Kurdenmiliz beschlagnahmt wurden. „Sie schreiben an die Hauswände: Eigentum der kurdischen Verwaltung. Zutritt verboten.“ Das erschwere den Aramäern eine Rückkehr nach einem Ende der Kämpfe: „Sowohl im Irak als auch in Syrien wird die indigene aramäische Bevölkerung weiter enteignet und verliert Eigentum, Grund und Boden. Die aramäischen Christen werden zwischen den jeweiligen Konfliktparteien und deren Macht- und Ausdehnungsinteressen zerrieben.“ Auf Anfrage von idea bestätigte der in Afrin geborene kurdischstämmige Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, Kamal Sido (Göttingen), dass eine Zwangsrekrutierung seitens der Kurden seit einigen Jahren zu beobachten sei. Sie forderten, dass sich auch Aramäer an den Kämpfen beteiligten. Eine Zwangsrekrutierung müsse man aber verurteilen, so Sido. Nach seinen Worten gibt es auch unter den Aramäern viele, „die sich gegen die Islamisten auch mit der Waffe in der Hand schützen wollen“.