12.01.2018

Saudi-Arabien/Katar: Salafismus wird exportiert

Vatikan-Magazin kritisiert Folgen der Globalisierung: Salafismus wird exportiert

Ravensburg (idea) – Scharfe Kritik am wachsenden Einfluss der islamischen Länder Saudi-Arabien und Katar auf die Muslime in Europa hat das katholische Vatikan-Magazin (Kißlegg bei Ravensburg) geübt. Wie der katholische Theologe und Journalist Stephan Baier (Graz) schreibt, haben auf dem Balkan in den Ländern Bosnien, Mazedonien und Albanien Christen und Muslime über Generationen einigermaßen friedlich mit- oder nebeneinander gelebt. Durch die Globalisierung mischten dagegen heute Saudi-Arabien und Katar den dort traditionell moderaten Islam auf. Vor allem über das Internet propagierten sie eine unduldsame, salafistische und gewaltbereite Version. Baier kritisiert Saudi-Arabien als großen Exporteur einer salafistischen Ideologie, die keine Toleranz für andere – Atheisten, Christen, Jesiden, Juden, aber auch Schiiten – und keine Religionsfreiheit kenne: „Wer das Geld hat, hat jetzt die Deutungshoheit – und da sind Katar und Saudi-Arabien unschlagbar.“ Vor allem junge, in Europa geborene Muslime radikalisierten sich immer stärker. Dadurch nähmen die Parallelgesellschaften zu.

Kritik am Euro-Islam

Baier widerspricht dem deutschen Politikwissenschaftler syrischer Herkunft, Bassam Tibi (Göttingen), der einen Euro-Islam angeregt hatte: „Tibi war auf dem Holzweg.“ Nach dessen Überzeugung würden in Europa lebende Muslime immer säkularer, ähnlich wie weite Teile der EKD. Dieser Islam werde dann in Europa gesellschaftsverträglich und mit der Demokratie kompatibel sein. Baier: „Die islamische Spielart der Globalisierung hat dieses bunte Mosaik islamischer Traditionen plattgewalzt.“

Europa muss seine Identitätskrise überwinden

Um diese Entwicklung aufzuhalten und ihr etwas entgegenzusetzen, müsse Europa seine Identitätskrise überwinden und sich auf seine christlichen Werte und Traditionen besinnen. Dazu gehöre es, den christlichen Glauben aus dem Andachtswinkel privater Frömmigkeit herauszuholen. Auch der Staat müsse sich darauf einstellen. Baier: „Solange sich der Staat immer stärker als Vormund und ideologischer Berater der Bürger aufspielt, werden wir muslimischen Männern das christliche Verständnis von dem, was Gottes und was des Kaisers ist, nicht erklären können – und damit die Unterscheidung von geistlicher und weltlicher Gewalt.“ Wie es in dem Bericht weiter heißt, wird sich der Anteil der Muslime in Europa bis 2050 mindestens verdoppeln – von derzeit fünf auf gut elf Prozent der Bevölkerung. Das Blatt beruft sich dabei auf Studien des Pew-Forschungszentrums (Washington/USA). Nach dessen Angaben leben derzeit 25,8 Millionen Muslime in Europa. Ohne Zuwanderung werde sich ihre Zahl bis 2050 auf 36 Millionen erhöhen. Bei einer moderaten Zuwanderung nur durch Facharbeiter oder Studenten werde sie auf 60 Millionen ansteigen. Kämen auch Flüchtlinge hinzu, müsse man mit über 75 Millionen Muslimen rechnen.