08.02.2018

Pakistan: Christin auf einer Münze

Konterfei der Nonne Ruth Pfau ziert eine Münze

Karachi (idea) – Im muslimischen Pakistan wird in Zukunft eine deutsche Nonne auf einer Münze zu sehen sein. Damit möchte das pakistanische Kabinett die im August 2017 verstorbene deutsche Lepra-Ärztin und katholische Ordensschwester Ruth Pfau ehren. Ihr Konterfei ziert in Zukunft 50.000 Exemplare der 50-Rupien-Münze. Das meldete der Sprecher der Staatsbank, Abid Qamar (Karachi), am 7. Februar. Die gebürtige Leipzigerin Pfau war 1960 nach Pakistan gekommen und hatte sich dem Kampf gegen die Lepra-Krankheit verschrieben. Von 1975 bis 1980 war sie als Regierungsberaterin tätig. Sie errichtete 157 Zentren zur Behandlung von Lepra und Tuberkulose. Am 10. August 2017 verstarb sie im Alter von 87 Jahren. Am Staatsbegräbnis nahmen höchste Staatsvertreter in der St.-Patricks-Kathedrale teil. Pfau wurde wegen ihres Engagements auch „Engel von Karachi“ oder „Mutter der Leprakranken“ genannt. Das Land ehre Pfau für ihre „selbstlosen und unübertroffenen“ Dienste für Pakistan, sagte Ministerpräsident Shahid Kahquan Abbasi bei der Beerdigung. Staatsbegräbnisse gibt es in Pakistan üblicherweise nur für gefallene Soldaten und für Regierungsmitglieder. Die Referentin für Religionsfreiheit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Michaela Koller (Frankfurt am Main), äußerte damals gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, die Hochschätzung der Arbeit Pfaus ändere nichts an der massiven Benachteiligung der Christen im Land. Zwar sei für alle sichtbar gewesen, dass diese höchste Ehre einer Christin zuteil wurde, so Koller: „Das hat für die Staatsführung aber nichts mit den Christen im Land zu tun, die unter Diskriminierung leiden.“ Rund 90 Prozent der 195 Millionen Einwohner sind sunnitische Muslime, fünf Prozent Schiiten und je knapp zwei Prozent muslimische Ahmadiyya bzw. Christen.