15.11.2017

Irak: Es müssen Krankenhäuser und Schulen errichtet werden

Hilfswerk: Irakische Regierung soll mehr für Wiederaufbau tun

Schwäbisch Gmünd (idea) – Der Leiter des christlichen Hilfswerkes CAPNI im Nordirak, Erzpriester Emanuel Youkhana, hat die irakische Regierung aufgerufen, sich stärker für Frieden und den Wiederaufbau des Landes einzusetzen. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) sei militärisch geschlagen, jetzt müssten Schulen, Krankenhäuser und Straßen wieder errichtet werden, sagte er beim 5. ökumenischen Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd. Er schaue zudem mit Sorge auf den Umgang der Regierung mit dem Kurdenreferendum im autonomen Kurdistan. Im September hatten sich dort 93 Prozent der Wähler für eine Unabhängigkeit ausgesprochen. Die Regierung in Bagdad nutze nun die Situation, um Druck auf die kurdische Regierung auszuüben, etwa durch das Verbot internationaler Flüge in den Nordirak. So solle der Einfluss der Zentralregierung gestärkt werden. Das Kurdengebiet im Norden ist laut Youkhana für Christen zu einer Insel der Hoffnung geworden. Dort lebten derzeit rund 80 Prozent aller im Land verbliebenen Christen. Allein in Erbil seien acht Kirchen auf Anweisung der kurdischen Behörden gebaut worden. Youkhana zufolge hat die Brutalität des IS manche muslimischen Iraker dazu gebracht, ihre Religion zu hinterfragen. Er warnte davor, alle Muslime über einen Kamm zu scheren. Es gebe viele, die Frieden wollten, aber auch solche, die mit der Ideologie des IS sympathisierten. So sei der IS bei seinem Einzug in Mossul von vielen Bewohnern begrüßt worden. Die am stärksten von der Terrororganisation angegriffene Gruppe waren ihm zufolge die Jesiden. CAPNI helfe ihnen genauso wie Christen: „Sie verdienen, dass wir als Kirche sie unterstützen.“

„Wir sind Christen“: Irakischen Christen eine Perspektive bieten

Der Politikwissenschaftler Markus Tozman vom aramäischen Verein „We are Christians“ (Wir sind Christen/Göppingen) bezeichnete es als Aufgabe von deutschen Hilfsorganisationen, den Christen, die im Irak bleiben oder zurückkehren wollen, eine Perspektive zu bieten. Er erläuterte das Anliegen am Beispiel des Mädchens Kristina, das im August 2014 vom IS im Alter von zwei Jahren aus dem nordirakischen Karakosch entführt worden war. Nach dreijährigem Bangen und Beten sei sie im Juni 2017 freigekommen. Die Familie habe sich trotz des Leids entschieden, vor Ort zu bleiben. „We are Christians“ unterstütze die Familie nun beim Aufbau ihres vom IS zerstörten Hauses: „Der Verbleib der Familie hat eine große Signalwirkung für andere Christen.“ Tozman kritisierte das aus seiner Sicht geringe Interesse deutscher Politiker am Wiederaufbau. Es gebe zu wenige, die sich für das Thema interessierten und sich dafür einsetzten, dass geflohenen Irakern eine Rückkehr ermöglicht werde. Die Christen der Region sprechen heute noch Aramäisch, die Sprache Jesu.