10.01.2018

China: Wird Christenverfolgung von ÖRK ignoriert?

Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert Generalsekretär Olav Fykse Tveit

Genf/Peking/Göttingen (idea) – Die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) hat dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) vorgeworfen, die Verfolgung von Christen in der Volksrepublik China zu ignorieren. Anlass ist der Besuch einer ÖRK-Delegation unter Führung von Generalsekretär Olav Fykse Tveit (Genf) vom 7. bis 16. Januar im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Der Direktor der Menschenrechtsorganisation, Ulrich Delius, erklärte am 10. Januar: „Statt für unterdrückte und misshandelte Christen einzutreten, biedert sich der ÖRK bei ihren Verfolgern an.“ Delius zufolge ließen Behörden am 9. Januar in der Stadt Linfen (Provinz Shanxi) trotz Protesten vieler Christen die Hauskirche „Goldener Leuchter“ zerstören. Das im Jahr 2009 ausschließlich mit Spenden der Gemeindemitglieder errichtete Gebäude sei von Sicherheitskräfte abgeriegelt und von einem Sonderkommando gesprengt worden. An Silvester sei in der Stadt Qingshuihe (Region Xinjiang) eine evangelische Kirche von den Behörden geschlossen und in Xian (Provinz Shanxi) am gleichen Tag eine katholische Kirche niedergerissen worden.

Keine Treffen mit Vertretern staatlich nicht registrierter Gemeinden

Delius kritisierte ferner, dass bei der Besuchsreise der ÖRK-Delegation keine Treffen mit Vertretern staatlich nicht registrierter Gemeinden vorgesehen seien, in denen sich die meisten chinesischen Christen versammeln. Diese Gemeinden sind meist Ziel der staatlichen Schikanen und Drangsalierungen. Die ÖRK-Delegation trifft sich unter anderem mit dem Chinesischen Christenrat und der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung, die staatlich kontrolliert sind. Eine Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea bei der Kommunikationsabteilung des Weltkirchenrates mit der Bitte, zu den Vorwürfen der Gesellschaft für bedrohte Völker Stellung zu nehmen, blieb am 10. Januar bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Lob für Wirtschaftsentwicklung und Klimaschutz

Im November 2016 hatte der ÖRK-Exekutivausschuss China besucht. Damals fand Generalsekretär Tveit lobende Worte für die ökonomische Entwicklung. Zum Wirtschaftswachstum sagte er: „Millionen konnten aufgrund dieses Wachstums der Armut entkommen, und damit war auch erneut die Hoffnung verbunden, dass die extremsten Formen der Armut auf der gesamten Welt überwunden werden können.“ Darüber hinaus habe man „mit großer Anerkennung die beispielhafte führende Rolle Chinas bei der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens und die verstärkten Investitionen des Landes in die Entwicklung erneuerbarer Energien zur Kenntnis genommen“. Nach Schätzungen leben in der fast 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik China bis zu 130 Millionen Christen. Damit übertreffen sie die Zahl der 83 Millionen kommunistischen Parteimitglieder.