Können Muslime und Christen Freunde sein?

„Ja, mein Freund ist Muslim. Das ist für mich kein Problem. Was das für mich als Christ bedeutet? Nichts besonderes, wir sprechen nie über den Glauben. Glaube ist Privatsache. Man muß jeden bei seiner Meinung lassen. Islam und Christentum sind doch sehr ähnlich.“

„Einen Muslim zum Freund haben? Das kann ich mir nicht vorstellen! Der Islam stellt eine große Bedrohung für die Kirche dar. In unserem Land sollte sich die Kultur der Muslime nicht breit machen. Mit einem Muslim kann man sich als Christ nicht wirklich anfreunden.“

Zwei Meinungen. Was meinen Sie? Würden Sie sich mit einem Muslim anfreunden?

Christen haben fremde Freunde

Christsein ist neues Leben mit Jesus Christus in der christlichen Gemeinde als einer großen Familie. Jesus hat seine Jünger zu sich gerufen, aber dann auch wieder ausgesandt – zurück zu den Menschen, um das weiterzugeben, was sie von Jesus empfangen haben.

Christen bekehren sich zuerst zu Jesus Christus und dann hin zu den Menschen. Gott ruft aus der Geborgenheit der Gemeinde hinaus in die Welt. Denn Gott liebt alle Menschen, auch Mahmud und Fatima und die Muslime um uns herum.

Deshalb können Christen Menschen zu Freunden haben, die sie sich normalerweise nicht auswählen würden. Wie könnten diese sonst die Liebe Christi kennen lernen?

Muslime brauchen das Evangelium

Viele meinen, dass christlicher Glaube und Islam ähnlich seien. Sagen nicht die Muslime selbst, dass sie auch an Jesus glauben? Wer jedoch Bibel und Koran aufrichtig studiert, wird die grundlegenden Unterschiede erkennen. Der Islam leugnet den Kern des christlichen Glaubens – dass Gott in Jesus Christus zu uns gekommen ist und am Kreuz unsere Sünden auf sich genommen hat, damit wir Kinder Gottes werden können. Für Muslime war Jesus zwar ein besonderer Prophet, aber dennoch ein gewöhnlicher Mensch. Für den Islam ist der Mensch vor allem ein Diener Gottes, der ohne den Sühnetod Jesu auskommen kann.

Muslime brauchen nicht nur unseren Respekt, sondern vor allem das Evangelium. Jesus Christus ruft seine Nachfolger, die gute Botschaft weiter zu sagen.

Muslime brauchen christliche Freunde

Viele Muslime kennen den christlichen Glauben nur sehr vage und missverständlich. Sie sehen die westliche Freiheit und halten den christlichen Glauben für einen Freibrief zum Sündigen. Sie fragen sich auch, ob sie wohl in einer christlichen Gemeinde aufgenommen würden, wenn sie Christen würden und dadurch ihre Familien und Freunde verlören. Sie halten das Christentum nur für Menschen des Westens geeignet, nicht für Türken, Kurden und Araber.

Deshalb ist es wichtig, dass Muslime echte Christen aus der Nähe kennen lernen. Nur so können sie entdecken, wer Jesus Christus und was christlicher Glaube wirklich sind. Wenn Christen Muslime achten, können diese vielleicht entdecken, dass die Liebe Jesu Christi auch ihnen gilt. Sie können Glieder in Gottes Familie werden.

Kritische Fragen

  • Ist das echte Freundschaft, wenn man will, dass der andere seinen Glauben ändert? Man kann doch so etwas Persönliches einem Menschen nicht aufdrängen?
    Aufdrängen sicher nicht, aber wünschen, erbitten und bezeugen! Wahre Freundschaft wünscht dem Freund ja das Beste, was es gibt.
  • Wollen denn Muslime Kontakt zu Christen haben?
    Muslime schätzen es, wenn sie Christen kennen lernen, in deren Leben Jesus Christus die Mitte ist. Sie achten es, wenn Christen nicht das Christentum verteidigen, sondern sie zu Jesus Christus einladen.
  • Ist das alles nicht zu naiv gesehen? Der Islam bedroht uns. Es ist besser, von den Muslimen Abstand zu halten. Wenn jemand von ihnen Christ werden will, kann er ja zur Kirche kommen!
    Wenn Petrus und Paulus so gedacht hätten, wäre das Evangelium nie nach Europa gelangt. Wenn wir Jesus Christus gehorchen und das Evangelium weitersagen, hat die Kirche Zukunft. Wenn wir Jesus Christus vertrauen, brauchen wir uns nicht zu fürchten. Sein Reich kommt.

Muslimen begegnen

Wer aufmerksam ist, wird Muslimen im Alltag begegnen. Ein freundlicher Gruß auf der Straße oder im Geschäft, ein kleines Geschenk für die neuen Nachbarn, eine Einladung an den Kollegen zu einer Cola oder zum Sport – all das kostet nicht viel und kann doch viel bewirken. Hemmungen und Vorurteile machen den ersten Schritt nicht leicht, aber Mut und Beharrlichkeit lassen irgendwann Vertrauen entstehen.

Dazu einige praktische Tipps:

  • Respektieren Sie die Trennung von Frauen und Männern in der Öffentlichkeit. Männer haben Kontakte mit Männern, Frauen mit Frauen. Männer gehen nur dann in eine Wohnung hinein, wenn wenigstens ein Mann anwesend ist. Das Gleiche gilt für Frauen.
  • Die Ehrerbietung gegenüber den Älteren und die Pflege der Familienbande sind für Muslime wichtig. Seien Sie nicht enttäuscht, wenn wegen Familienverpflichtungen eine Verabredung mit Ihnen nicht eingehalten wird.
  • Muslime schätzen die Reinlichkeit. Vom Alten Testament her können Sie das gut verstehen. Beim Betreten des Hauses zieht man in vielen Fällen seine Schuhe aus. Wein und Schweinefleisch werden grundsätzlich nicht angeboten.
  • Zeit für Begegnungen und Gastfreundschaft sind sehr wichtig. Lassen Sie die Uhr Uhr sein und seien Sie offen für das, was Gott in eine Begegnung hineinlegen will.

Sprechen Sie über den Glauben

  • Sprechen Sie von Herz zu Herz und vermeiden Sie Streitgespräche. Wenn Sie Ihrem Gesprächspartner gut zuhören, wissen Sie am besten, was Gott ihm sagen will.
  • Sprechen Sie positiv über Jesus Christus und nicht negativ über den Islam. Wenn ein Muslim Jesus Christus kennen lernt, läßt er den Islam von selbst hinter sich.
  • Zeigen Sie Verständnis für das Volk Ihres Gesprächspartners, aber vermeiden Sie Urteile bei politisch brisanten Themen.
  • Muslime haben Mühe mit dem biblischen Zeugnis, nach welchem Jesus mit dem Vater und dem Heiligen Geist Gott ist; sie verstehen nicht, warum Jesus gekreuzigt worden sein soll, wenn er doch „Gott“ ist. Natürlich könnten Sie viele biblische Gründe angeben, aber Muslime sind meistens um „logische“ Gegenargumente nicht verlegen. Vertrauen Sie dem biblischen Zeugnis nicht deshalb, weil es logisch ist, sondern weil es die Liebe Gottes offenbart, die Ihr Herz besiegt hat.
  • Lassen Sie sich nicht beeindrucken, wenn Muslime Ihnen weismachen wollen, dass die Bibel verfälscht und deshalb durch den Koran abgelöst worden sei. Es gibt dafür keine geschichtlichen Gründe. Leider haben die meisten Muslime noch nie in der Bibel gelesen. Bitten Sie deshalb Ihren Gesprächspartner, die Bibel zu studieren und selbst sprechen zu lassen.
  • Vertrauen Sie nicht auf Ihre Hilfsbereitschaft und Ihre Argumente, sondern auf Gott. Beten Sie treu für die Muslime, mit denen Sie im Gespräch sind. Nur Gottes Geist kann die Herzen öffnen.

Eine schwierige Frage zum Schluß: Kann ich ihn/sie heiraten?

Junge muslimische Männer sind oft überrascht von der Freundlichkeit und Offenheit junger westlicher Frauen. In ihrer angestammten Kultur sind sie das nicht gewöhnt. Deshalb kann es geschehen, dass ein Muslim eine Beziehung zu einer Christin beginnt. Kann man als Christ bzw. Christin einen Muslim bzw. eine Muslimin heiraten? Vom Islam her darf zwar ein Muslim eine Christin heiraten, aber eine Muslimin keinen Christen, es sei denn, dieser würde vorher Muslim.

Es ist meistens eine Illusion, wenn der christliche Partner erwartet, dass der muslimische Partner nun beginnen würde, in der Bibel zu lesen und mit zum Gottesdienst zu kommen. Spätestens bei der Geburt des ersten Kindes wird häufig deutlich, dass der muslimische Partner die Integration in die islamische Gesellschaft und deshalb eine islamische Erziehung wünscht.

Die Bibel ist im Blick auf die Ehe eindeutig: „Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen.“ (2. Korinther 6,14). „Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm.“ (1. Korinther 6,17). „Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.“ (Epheser 5,21). Wer mit Christus verbunden ist, kann wohl freundschaftliche Kontakte – im oben beschriebenen Sinne – haben, aber sich nicht auf eine Ehe mit jemanden einlassen, der nicht Christus gehört. Die tiefste eheliche Gemeinschaft ist nur möglich, wenn beide Partner eine tiefe Gemeinschaft mit Jesus Christus haben.

Autor dieser Ausgabe: Cees Rentier (Niederlande), bearbeitet von Eberhard Troeger
Stand: Oktober 2007